„Es lebe der Sport?“ oder: Ein Plädoyer für das Ausrufezeichen!

 

„Handball – Es lebe der Sport“

 

So lautet eine gemeinsame Imagekampagne der Bundesligen und des DHB, die in diesem Sommer ins Leben gerufen worden ist.

 

Eine begrüßenswerte und innovativ ausgeführte Aktion, mit der sich unser Sport auf ironische und für den „großen Bruder““ entlarvende Weise vom Fußball abgrenzen will. 

 

„Handball – Es lebe der Sport!“

Daran muss sich der Handball nun allerdings auch messen lassen. In allen Segmenten!

 

Im Bereich der Ordnungsgebung, der Rechtsprechung der „Handballgerichte“ und im Umgang der Vereine miteinander bleiben die sportlichen Gesichtspunkte zuweilen auf der Strecke.

 

Der Fall in Kurzform:

Quali-Turnier. Die MV der C-Jugendmannschaft A trägt versehentlich A 11 im Spielbericht ein, dafür aber nicht A 15. A 11 wird – wie die anderen überzähligen Spieler auch – vor dem Spiel „in Zivil“ auf die Tribüne gesetzt. Als A 15 ein Tor erzielt, fällt der Fehler auf. Da bereits 14 Spieler auf dem Spielbericht stehen, weigert sich der Schieri, den erkennbar auf der Tribüne sitzenden A 11 zu streichen und durch A 15 zu ersetzen. A gewinnt das Spiel zwar, es wird aber später – durch drei Gerichte bestätigt – gegen A gewertet. A verpasst so die sicher geglaubte Qualifikation zur Landesliga.

 

Ich behaupte, es ist nicht im Sinne des Sports, wenn ganze Jugendmannschaften eine Qualifikation verpassen und ein Jahr unter ihren sportlichen Möglichkeiten spielen müssen, nur weil ein Erwachsener versehentlich irgendein Häkchen falsch gesetzt hat (ein vergleichbarer Fall) oder ihm ein leichter Schreibfehler im Spielbericht unterlaufen ist.

 

"Unschuldige" Jugendliche büßen für Fehler der Erwachsenen

 

Da werden die Kinder und Jugendlichen ein Jahr lang bestraft, weil eine letztlich unbedeutende Formalie missachtet worden ist, ohne dass ein sportlicher Vorteil daraus resultierte oder der Wettbewerb verzerrt worden ist.
 

Leider hat das Bundesgericht des DHB in seinem Urteil 06/2016 erneut seine bekannte streng formalistische Linie bestätigt. Spieler A 11 sei „anwesend“ im Sinne der Regel gewesen und hätte damit teilgenommen. § 19 Abs. 1 RO lasse keinen Spielraum. Spielverlust. Kein Wort zu der verheerenden Wirkung einer solchen Entscheidung auf die beteiligten "unschuldigen" Jugendlichen.

 

"Handball - Es lebe der Sport?"

 

Warum bietet die Rechtsordnung – wenigstens im Jugendbereich - für solche Fälle keine Lösungen nach sportlichen Gesichtspunkten und eröffnet z.B. einen Ermessensspielraum?

 

Warum benutzte kein Gericht im Instanzenzug einen der zahlreichen juristisch vertretbaren Auswege zu einem sportlichen Ergebnis?

 

Warum hat der Verband den Antrag von Verein A abgelehnt, beide Vereine in die Landesliga zu lassen und die Staffel aufzustocken?  

 

Warum haben die Verantwortlichen von Mannschaft B nicht während des Spiels gesagt: „Komm, Schieri. Trag A 11 nach! Das ist die sportliche Lösung!“

 

Sind wir als diejenigen, die in unserer jeweiligen Funktion im Bereich des Handballs Verantwortung tragen wirklich so weit, dass hinter „Es lebe der Sport“ guten Gewissens ein Ausrufezeichen stehen kann?

 

„Handball – Es lebe der Sport?“ oder: „Handball: Es lebe der Sport!“

 

Ich plädiere für das Ausrufezeichen!

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